11.06.2011
Team Campana HYDRO-POWER absolviert Testfahrt auf einer Teilstrecke des Race Around Austria
Für die im August geplante Teilnahme am „Race around Austria” muss man ordentlich trainieren. Wo ginge das besser als auf der Strecke, die auch im Rennen gefahren werden muss – also auf nach Österreich!
Das Team „Campana HYDRO-POWER”, für das Wochenende bestehend aus den beiden Radfahrern Fritz und Robert und den Betreuern Sieglinde, Susanne und Werner, startet in Reutte mit dem Fernpass auf die Runde, die knapp 1.200km und 17.000 Höhenmeter haben soll.
Der Fernpass ist eine Katastrophe. Ein Auto nach dem anderen und hordenweise Motorradfahrer fahren mit wenig Abstand an mir vorbei. Der angepeilte Puls von 120 Schlägen ist damit schon mal dahin, 135 zeigt die Pulsuhr. Aber die Beine fühlen sich sehr gut an. Die ersten zwei Stunden vergehen wie im Flug. Fritz hält sich von Anfang an eisern an die Pulsvorgabe und rollt mit ruhigem Puls seine Teilstrecke entlang. Mein nächster Einsatz geht durch‘s Inntal. Zwei Stunden starker Gegenwind und wieder ist es nichts mit einem ruhigem Puls. 130 Schläge stehen am Ende als Durchschnitt auf der Pulsuhr. Dazu ist die Gegend nicht, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin frustriert…
Für die erste Nacht war abgemacht, jeweils vier
Stunden zu fahren, um dem anderen eine längere Pause zu ermöglichen. Aber 4
Stunden sind ganz schön lang. Am Morgen sind alle, Radfahrer wie Betreuer,
ziemlich gerädert. Von den drei Betreuern sitzen immer zwei im den Radfahrer
begleitenden VW-Bus. Der dritte fährt im PKW zu einem Treffpunkt vor, schläft
dort und wechselt dann einen im VW-Bus ab. Viel Schlaf bekommen die Drei daher
auch nicht.
Nach den Anstiegen in der Nacht (Filzensattel, Obertauern) geht es am Morgen den Katschberg hoch. Eine 4km lange, 15% steile Rampe – ohne Serpentinenkurven, in denen man sich mal ausruhen könnte. Der Anstieg ist hart. Am härtesten für den VW-Bus. Die Kupplung verbrennt und trennt nicht mehr. Es sieht so aus, als wäre nach 18 Stunden schon alles vorbei. Fritz fährt den Bus noch nach Spittal, wo ein VW-Händler das „Aus” der Kupplung bestätigt. Alle sind deprimiert. Am meisten Sieglinde, die den Bus gefahren hat, als die Kupplung ihren Dienst einstellte. Aber wir haben Glück. Nachdem der ADAC kein Ersatzauto bereitstellen kann, bietet uns der Händler (Autohaus Staber in Spittal – DANKE!) einen VW-Bus als Ersatz an, der am Nachmittag da sein soll.
Also wird alles Notwendige erst mal in den PKW
geladen und die Radler starten nach 4 Stunden Zwangspause mit Werner als
Begleiter wieder auf die Runde. An der Mautstelle des Großglockners müssen wir
kurz warten. Auf dem Gipfel tobt ein Unwetter. Fritz als Radler darf aber schon
mal in den Anstieg einfahren. Bis er oben ist, hat sich der Sturm längst
verzogen. Fritz fährt weiterhin mit ruhigem Puls, auch die Anstiege. Für mich
wird der Großglockner das absolute Highlight. Eine halbe Stunde vor der
Passhöhe (2504m ü. NN) setze ich mich auf‘s Rad. Da meine Pulsuhr den Geist
aufgegeben hat, setze ich auf Körpergefühl, ruhige Atmung und einen runden
Tritt. Und das funktioniert sehr gut. Die Passhöhe habe ich ganz für mich
allein. Kein Auto und Mensch weit und breit. Eine wahnsinns Aussicht (leider
nur für ein paar Sekunden) und endlich kommen die Endorphine durch. Die Abfahrt
lasse ich langsam angehen, da vom Sturm noch alles nass ist. Vereinzelt kommen
mir noch Radler vom „Großglocknerman” entgegen. Einem Ultraradmarathon über
450km. Solo und Nonstop. Manche Typen spinnen echt – oder?
Die beiden Frauen warten derweil auf den Ersatzbus, laden den Rest des Equipments um, umfahren den Großglockner und treffen uns in Mittersill wieder, wo alle, auf einer Pizza kauend, eine halbe Stunde Pause machen.
In der zweiten Nacht fahren wir jeweils nur drei Stunden. Das klappt viel besser. Wir Radler kommen relativ ausgeruht in den nächsten Tag. Das Team ist jetzt schon gut eingespielt. Die Wechsel verlaufen ruhig und ohne Hektik (da ist noch Sparpotential vorhanden).
Nach dem Großglockner fahren wir noch den
Gerlospass, durch das Sellraintal über den Kühtaisattel (toller Anstieg), das
Paznauntal aufwärts zur Bielerhöhe, über das Faschinajoch und den
Hochtannbergpass. Jeder Meter fahren macht mir irrsinnig Spaß, speziell die
Anstiege sind die reine Wucht. Fritz und ich merken beide, dass wir gut drauf
sind, und uns wird klar, dass das Race around Austria im August gut machbar
sein wird. Sogar unser Ziel, die Strecke von 2.200km und 28.000 Höhenmetern in
100 Stunden zu schaffen, erscheint absolut im Bereich unserer Möglichkeiten.
Unsere Testrunde beenden wir kurz hinter Warth im Lechtal. Nach insgesamt 48 Stunden Fahrzeit stehen 950km und 15.500 Höhenmeter auf der Uhr. Wir Radler sind sehr zufrieden damit und die Betreuer haben richtig Spaß an der Sache bekommen. So freuen wir uns alle auf das Rennen im August. Diese Testfahrt war eine gute Basis, sodass auch das Rennen für alle – Radler wie Betreuer – ein Erlebnis werden kann.
weitere Bilder in der Bildergalerie »


