18.05.2010
Niederlande-Sternfahrt von Robert und Martin am 15.05.2010
Bericht von Robert Moormann
Bilder zur Fahrt in der Bildergalerie.
Das Team
aus Fahrern und Betreuern schrumpfte in der Woche vor der BENELUX-Runde
verletzungsbedingt und aus
persönlichen Gründen zum kleinen, aber nicht zu unterschätzenden "Rest" von
Martin und mir (Robert) zusammen. Wir wollten unbedingt fahren, und so wurde aus der BENELUX-Runde eine
Niederlande-Runde.
2 Fahrer, 1 Auto. Einer fährt Rad. Der Andere fährt Auto, achtet auf den Verkehr, navigiert sich und den Radfahrer auf den richtigen Weg, ruht sich von seinem Törn aus, isst, trinkt, macht Photos und bereitet sich auf seinen nächsten Einsatz vor. Und wenn er mal in die Büsche muss, muss das auch noch funktionieren, ohne den Radfahrer zu verlieren.
Samstag morgen 6:15 Uhr.
Martin fährt als erster mit dem Rad los. In der Nacht hat es ein wenig
geregnet. Aber die Straße ist fast trocken und der Himmel sieht ganz gut aus. Da wir getrennt über die Leverkusener
Autobahnbrücke müssen, treffen wir uns erst in Merkenich wieder. Martin fährt über Thenhoven, Sinnersdorf und Stommeln bis
nach Fliesteden. Er fährt wie verabredet mit ruhigem Puls. Trotzdem fährt er einen 30er Schnitt.
Wir wechseln zügig.
Mein erster Einsatz. Mein Puls geht sofort hoch auf 150. Anfang Mai hatte ich einen Infekt. Ist der noch nicht ganz weg? Mein Ruhepuls
war mit 48 Schlägen doch im normalen Bereich?
Aber ich fühle mich gut. Ich kurble mit 90-95 Umdrehungen meinen ersten Törn
bis nach Erkelenz. Das Navigieren nach Karte klappt noch nicht ganz. Aber wir kommen voran. Das Wetter verspricht gut zu
werden.
Kurz nachdem Martin wieder auf dem Rad sitzt, reißt ihm der vordere Schaltzug. Das kostet uns ca. 3min., dann sitzt er wieder auf dem Rad. Einen weiteren Defekt haben wir dann nicht mehr. Kurz vor dem Ende von Martins 3. Törn fährt er in die Niederlande rüber. Ein schönes Gebiet mit Eichenwald und tollen Herrschaftsvillen. Und einem Anstieg: Der "Duivelsberg", der einzige Hügel auf der Tour.
Kurz vor Nijmegen wechseln wir wieder. Ich fahre mit dem Rad durch die Stadt. Das ist ein wenig chaotisch, da ja in den Niederlanden auf dem Radweg gefahren werden muss. Manchmal fahre ich vor Martin, mal sprinte ich hinterher um ihn nicht zu verlieren. Mein Puls ist immer noch viel zu hoch.
Vor Nijmegen teilt sich der Rhein in Waal (nach links) und Niederrhein (nach rechts). Wir folgen der Waal. Leider fahren wir ab jetzt gegen den Wind. Und das werden wir für die nächsten 250 km tun. Das ganze tut meinem ohnehin hohen Puls natürlich nicht gut.
Wir fahren auf dem Deich, an Windmühlen vorbei, durch den Nationalpark "de Biesbosch" bei Dordrecht, stehen plötzlich vor Fähren, weil die Brücke auf der Karte gar keine Brücke ist, verlieren uns einmal, weil die Straße für Radfahrer mal wieder verboten ist (das haben und werden wir noch einige Male ignorieren), fahren durch Alleen und elend lange, gerade Straßen entlang - und immer gegen den Wind.
Hinter der 2. Fähre wechseln wir wieder. Mein 5. und letzter Törn steht an. Die erste Stunde rumort mein Magen. Ich muss permanent aufstoßen und "pupsen". Aus Angst, mich übergeben zu müssen, trinke ich in dieser ersten Stunde nichts. Aber so komme ich nicht am Ziel an. Also trinke ich und es läuft wirklich besser. Sogar mein Puls beruhigt sich etwas. Doch die Sonne geht langsam unter und wir haben noch einige Kilometer.
Ich rufe Martin an und schicke ihn voraus zum Brouwersdamm - damit wenigstens einer den Sonnenntergang sehen kann. Und dann bin ich auch da: Sehe das Meer und den Sonnenuntergang. Und Martin ist natürlich auch schon da.
Es ist 20:55 Uhr. Jeder ist 5x zwischen 1:15 und 1:30 Std. Rad gefahren. Es waren ziemlich genau 395km. Und es war klasse!
Gefahren sind wir insgesamt 14h 40min., ca 45min. haben wir durch die
Wechselei und die Fähren verloren.
Gefahren sind wir fast einen 30er Schnitt. Über die Gesamtzeit bleibt noch
ein 27er Schnitt.
Es hat sich gelohnt. Der Sonnenunergang allein war es schon wert. Und wegen der kleinen Erkenntnisse, wegen der wir das Ganze ja eigentlich
gemacht haben:
- Martin ist sehr gut drauf!
- Peinlich Ordnung halten im Auto - sonst bricht das Chaos aus.
- Am besten alles in beschrifteten Tüten vorpacken. So entfällt das
suchen.
- Bei mehr Leuten sind zwei Autos unumgänglich.
- Mindestens einer ist notwendig, der nur navigiert.
- Ich muss eine Diät finden, mit der ich mich auf solchen Fahrten ernähren
kann, ohne dass mein Magen das Rumoren anfängt.
- Für die Paris- und die Berlintour brauchen wir Betreuer.
Am nächsten Tag haben wir noch eine 60km Genießerrunde gedreht. Und mein Puls hat sich auch wieder beruhigt.


