28.09.2010

"Mit dem Radl nach Berlin" - von Rothenburg o. d. Tauber nach Berlin

Robert, Ulrich und Fritz in Berlin
Robert, Ulrich und Fritz in Berlin

Bericht von Robert Moormann

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Zuerst mal ein riesiges Dankeschön an meinen Nachbarn Horst und seine Radtruppe für die Mitnahme nach Rothenburg. Der streckenmäßige Umweg von nur 30km hat sie wegen übler Staus auf der Autobahn über 2 Stunden Zeit gekostet, um an den Bodensee zu ihrer eigenen Radtour zu kommen. Nochmal vielen Dank dafür!

 

Der Anfang der Tour war für mich alles andere als optimal. Nach diversen misslichen Umständen konnten wir erst sehr spät am Nachmittag starten. Ich musste nach der Anreise ohne Pause aus dem Anreiseauto in das Begleitauto steigen und Fritz hinterherfahren, der um 17:30 Uhr gestartet war. Erster Wechsel auf mich um 20:00 Uhr. Es ist schon dunkel. Die Wettervorhersage ist denkbar schlecht. Überall ist Regen vorhergesagt. Aber Glück kann man nur haben, wenn man es trotzdem versucht.

 

Und Glück haben wir. Die Straße ist zwar naß, aber es regnet nicht. Und Wind haben wir, wenn überhaupt, die ganze Route von hinten. Erstmal auf dem Rad, läuft es von Anfang an richtig gut. Ohne viel Kraft kurbel ich mit vielen Umdrehungen fast einen 34er Schnitt durch die Nacht. Fritz ist ein wenig langsamer. Aber nur, weil er von Rothenburg weg und durch den Thüringer Wald alle Hügel hoch muß. Für mich bleiben keine ernsthaften Anstiege übrig. So rasen wir durch die Nacht. Trotz bewölktem Himmel ist es ziemlich hell, und kalt ist es auch nicht. Die Bedingungen sind optimal.

 

Wir fahren durch den Thüringer Wald, erst das Werratal und dann das Saaletal hinunter. Ulrich, unser Mann im Begleitauto, lotst uns perfekt auf der von Fritz ausgearbeiteten Route Richtung Berlin. Da er allein ist, ist er Mädchen für alles. Fahren, navigieren, Wechselhelfer (Rad rauf und runter vom Radträger, ist Licht dran, die Radflasche da, usw.). Völlig ruhig und souverän bringt er uns nach Berlin, ohne auch nur einmal selbst zu schlafen. Respekt und danke!

 

Auf meinem Törn in den Sonnenaufgang bin ich ziemlich müde. Ich möchte nur noch schlafen. Mit der Motivation ist es auch nicht mehr so toll. Als es endlich hell wird, tauchen auch die Lebensgeister wieder auf. Aber ich bin schon ganz schön geschlaucht. Das hohe Tempo macht sich bemerkbar und ich fahre etwas langsamer. Auch Fritz lässt es auf dem folgenden Törn langsamer angehen. Trotzdem kommen wir schnell voran. Als ich dann wieder auf dem Rad sitze ist es soweit. Der Mann mit dem Hammer kommt...

 

Gerade fahre ich noch mit 35km/h durch den Wald. Den kleinen Anstieg komme ich noch gut hoch. Aber oben auf der Kuppe erwischt er mich. Nichts geht mehr. Ich rolle mit 25km/h die Straße entlang. Auch die 2 Gels und die 2 Snickers, die ich sofort verdrücke, helfen nicht mehr. Ulrich mit dem Auto ist nicht in Sicht. Er ist voraus gefahren und wartet irgendwo am Straßenrand. Die Kilometer bis dahin vergehen zäh. Ich bin völlig alle. Die Speicher sind restlos leer und Fritz muss wieder ran.

 

Während ich im Auto alles esse, was mir in die Hände fällt (meine letzten Croissants mit Marmelade, Snickers, Chips, Würstchen, den Nudelsalat von Fritz, den Kuchen von Ulrich), wundern wir uns, wie klar man nur 40km vor Berlin immer noch die DDR erkennt. Verfallene Plattenbauten und Häuser, Wachtürme, Grenzbefestigungen. Wir können nicht glauben, das so nah an Berlin die DDR immer noch so präsent ist. Nach einer Stunde bin ich wieder soweit, daß ich mit Fritz zusammen nach Berlin rein fahren möchte. Aber der taucht nicht auf. Also beschließen Ulrich und ich uns zu trennen. Ich fahre auf der vorgesehenen Strecke die letzten Kilometer nach Berlin rein. Ulrich fährt Fritz suchen, Treffpunkt ist das Brandenburger Tor.

 

Als ich dort ankomme, ist dort die Hölle los. Morgen ist der Berlin Marathon. Die ganzen Läufer laufen mit ihren Startunterlagen herum und warten auf den Start der Inline-Skater, deren Wettkampf schon heute stattfindet. Und dann fängt es doch noch an zu regnen. Es schüttet sogar wie aus Eimern. Glück kann man halt nur haben, wenn man es herausfordert. Mitten im Regen tauchen Fritz und Ulrich auf. Wir haben es geschafft! Wir sind nach Berlin gefahren, 610 km in nicht ganz 20 Stunden. Das macht fast einen 31er Schnitt, inkl. aller Pausen.

 

Eine Nachahmung kann ich jedem nur empfehlen. So eine Tour mit guten Freunden ist ein tolles Erlebnis. Erst recht, wenn alles so gut klappt.

 

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