23.08.2010
Das Campana RAAM-Team durch die „grüne Hölle” bei Rad am Ring 2010
Bericht von Robert Moormann
Bilder in der Bildergalerie,
Video von Robert unter Videos
Wir sind mit dem Vorsatz zum Ring gefahren, unser Ergebnis von 2008 (24. Platz) und nach dem Totalausfall von 2009 zu toppen, d. h. im Gesamtklassement unter die ersten 20 Teams zu fahren und in unserer Altersklasse AK40 (Masters2) unter die ersten 10 zu kommen. Das sollte schwer werden, denn es stehen dieses Jahr 664 4er-Teams am Start.
Guido fühlt sich nach seinem Rippenbruch im Frühjahr außer Form und ist daher auch moralisch ein wenig angeschlagen. Thomas ist Ringneuling und weiß noch nicht, was auf ihn zukommen wird. Später wird er sagen, dass er sich das nicht so schwer vorgestellt hat. Martin und ich sind guter Dinge, haben aber wegen des reinen Ausdauertrainings, das wir für die RAAM-Vorbereitung machen, Respekt vor den Höhenmetern. Kommen wir damit trotzdem schnell die Anstiege hoch?
OK, los geht’s. Ich werde die Startrunde fahren. Ich stehe mit Fritz, unserem Ersatzfahrer für das RAAM 2011, der im Team „Grüne Hölle Langenfeld” fährt, in der Startaufstellung. Diesmal wollen wir direkt ganz vorn stehen, damit wir den Rückstand aus der nach hinten größer werdenden Startverzögerung nicht aufholen müssen. Also stehen wir in der 2. Reihe. Ideal!
Der Startschuss. Alle jagen los, als ob es ein Stundenrennen wäre. Die Strecke führt über die Kurzanbindung der Grand-Prix-Strecke. Beim Abzweig auf die Nordschleife fährt der erste Krankenwagen mit Blaulicht auf die Strecke. Also schon ein Sturz bei den vorher gestarteten 75/150 km-Rennen. An der Auffahrt zum Abschnitt „Flugplatz” dann ein Sturz direkt neben mir. Das Rad fliegt hinter mir vorbei. Glück gehabt -ich zumindest- der andere Fahrer leider weniger.
Das Feld rast weiter. Über den Abschnitt „Schwedenkreuz” hinunter zur Einfahrt „Aremberg” in die „Fuchsröhre”. Das ist der schnellste Abschnitt auf dem Ring. Unten in der Senke merkt man selbst auf dem Rad den Kompressionsdruck, der einen auf die Straße drückt. Ich rase mit 99,9 km/h (kein Scherz!) im Feld hinunter – völliger Wahnsinn! Das ganze wird von Fritz noch getoppt, der aus meinem Windschatten mit 102,5 km/h an mir vorbeischießt. Der Vorteil an diesem Höllentempo ist, dass man den folgenden Anstieg einfach hochrollt und mit immer noch 30 km/h oben ankommt.
Weiter geht’s. Über „Adenauer Forst”, „Metzgesfeld” und „Kallenhard” geht es zum Abschnitt „Wehrseifen” mit der berüchtigten Kurve „Mauer Breitscheid”. Die wird jedes Jahr frisch gestrichen, um die Spuren der ganzen Einschläge zu übertünchen. „Wehrseifen” ist mein Favorit auf dem Ring. Eine ganz langgezogene Kurve, die mit 75 km/h durchrollt wird. Im Anschluss folgt die Kurve mit der „Mauer Breitscheid”. In der kommenden Nacht, während einer schnellen Runde in einem D-Zug, werde ich noch lernen, diese Kurve fast ohne abzubremsen zu fahren. Das Feld kommt ohne Probleme durch und schon bald fängt nach dem „Bergwerk” die lange Steigung zur „Hohen Acht” an.
Mein Vorhaben, mit ruhigem Puls in den Anstieg zu gehen, ist durch das höllische Tempo und das Adrenalin im Blut natürlich nur noch Geschwätz von Gestern. Also gucken wir mal, wie das ist, schon mit Puls 170 in einen Anstieg zu gehen. Noch bin ich mit Fritz ziemlich weit vorn. Die Spitze ist noch in Sichtweite. Aber das ändert sich sehr schnell. Die Spitzenfahrer ziehen den Hügel hoch, der Rest folgt. Nach der „Klostertalkurve” folgt der Anstieg zum „Karussell”, eine Steilkurve, die mit dem Rad natürlich wenig spektakulär ist. Und schon müssen wir die steile Rampe (18%) zur „Hohen Acht” hoch. 1.Gang. 10-12 km/Std, Puls 175-180. Bloß am Feld dranbleiben, sonst fällt man oben aus der Gruppe raus. Mit dem „Brünnchen” folgt noch mal eine tolle, schnelle Kurve durch eine Senke und dann geht’s über „Pflanzgarten” und „Schwalbenschwanz” auf die „Döttinger Höhe”. Eine lange Gerade, meist mit starkem Gegenwind, die mit ein paar Kuppen und einem Schlussanstieg („Tiergarten”) wieder auf die Grand-Prix Strecke führt. Über die Zielgerade jagen wir auf die Kurve vor der Mercedes-Tribüne zu. Das Feld hat sich jetzt schon ziemlich gestreckt.
Ich beende diese erste Runde (24,4 km, 570 HM) nach 44min. und bin schon ziemlich platt (ich muss ja nur noch 7x…). Wir wechseln in der Reihenfolge: ich (Robert), Thomas, Guido, Martin. Thomas fährt eine sehr schnelle erste Runde mit 45min., pendelt sich aber mit 49-52min. in unser aller Tempo ein. Guido fährt wider seiner Erwartungen ebenfalls sehr konstant. Wir alle fahren mit 48-52min./Runde auch durch die Nacht einen guten Rundenschnitt, liegen zwischenzeitlich kurz auf Platz 17.
Nach 2 verpatzten Wechseln (einmal ist Thomas nicht da und ich muss eine Ehrenrunde durchs Fahrerlager drehen und einmal habe ich das Handy vergessen und Thomas ist noch nicht fertig, als ich komme) stehen wir am Morgen auf Platz 20. Bis zur letzten Runde können wir diesen Platz halten. Wir haben nach hinten 5min. Puffer, als ich auf die letzte Runde starte. Im Anstieg zur „Hohen Acht” kommen 2 Fahrer eines Teams an mir vorbei. Ich hänge mich rein, es komme noch einige Fahrer von vorn und hinten dazu. Auf der „Döttinger Höhe” sind wir 10-15 Fahrer. Und sofort geht das Taktieren los. Ausreißversuche, Tempowechsel und der ganze Mist. Vor dem letzten Anstieg sind alle abgeschüttelt, zwei Fahrer nach vorne weggefahren. Guido hat mich unten erwartet und hilft mir den Anstieg hoch. Den letzten Verblieben kann ich nicht abschütteln. Oben auf der Kuppe warten alle Starter, um mit ihren Teams gemeinsam über die Ziellinie zu fahren. Bei uns geht es aber noch um die Top 20-Platzierung. Guido führt uns auf die Zielgerade. Ich dahinter und hinter mir lauert Platz 21. Der Fahrer überholt uns aber zu früh und ich kann ihn kurz vor dem Ziel übersprinten.
Wir haben es geschafft! Platz 20 mit Sekundenvorsprung nach 24 Stunden. Noch besser ist aber: Wir sind 6. in unserer Altersklasse geworden!
Fazit aller Fahrer: Es war wieder mal sehr anstrengend („Den 'Scheiß' mach ich nie wieder mit…”), aber trotzdem wieder toll. Die Stimmung im Fahrerlager, speziell in der Nacht, die Runde in den Sonnenuntergang und –aufgang, die Nachtrunden. All das macht so ein Rennen zu etwas Besonderem.
Apropos Nacht: Unser Teamchef Christian hat wie immer sehr gute Arbeit geleistet. Hat den Fahrern bei Bedarf in den Hintern getreten und in der Nacht mit seinem Beamer auf der Leinwand nicht nur uns unterhalten – die Nachbarteams fanden das auch gut. Danke Christian!
Zum Thema „Den 'Scheiß' mach ich nie wieder!”: Das war mein persönliches 5. Mal. Nächstes Jahr sind wir bestimmt wieder dabei. Vielleicht mal mit mehreren 2er-Teams…
Ergebnisse Campana RAAM-Team bei Rad am Ring
Ergebnisse Team Grüne Hölle Langenfeld (mit unserem Ersatzfahrer Fritz Eberlein)


